EIN GANZ BESONDERER VIOLETTFRÄNKISCH!
R. 2012
Weinrezension von René Gabriel
Ob ich mal den Blaufränkisch degustieren und beschreiben könne. Er sei von der Reihburg. Klar will ich. Erstens bin ich (was man mir in der Presse einmal ganz böse nicht zugestand) ein Blaufränkisch-Liebhaber und zweitens Fan von der Lage Reihburg. Also ungeduldig den Karton auf, zügiges Entkorken und sofort ins Gabriel-Gold-Glas damit.
Warum heißen die ganz großen Blaufränkisch und nicht Violettfränkisch? Das frage ich mich, als ich die Farbe betrachte. Er ist aber nicht undurchdringlich, sondern hat im Innern und außen am Rand eine leuchtende Transparenz. Das ist ein gutes Zeichen, denn oft sind mir die nach Sternen greifenden Weine zu undurchsichtig und von der Couleur her bereits bei der Ansicht visuell zu «blockbustig». Ist dieser aber nicht…
Ich zügle mich. Es hat nämlich gar keinen Sinn ein Weinbouquet gierig einzuschnauben. Man muss dem Wein nasal langsam begegnen. Also schnuppere ich zuerst von ziemlich weit weg. Brasil-Kaffee ist als erstes da, dann mineralische Züge, auch ein Hauch von medizinalem Schimmer ist beim zweiten Ansatz vorhanden. Also ist dies ein gutes Zeichen für die spätere Tiefensuche. Beim dritten Anlauf (ich habe mich dem Glas jetzt auch distanzmäßig angenähert… sind reife dunkle Pflaumen da, Cassisnoten, Joschtabeeren, rohe Randen, weitere dunkel-florale Nuancen und wieder dieses fast schwarze Mokka. Die Konversation ist problemlos möglich. Obwohl sich ein großer Teil (wohl weil etwas verschlossen) im Innern bewegt. Auf zum erwartungsvollen Gaumenkontakt…
Der Gaumen liefert zwei noch nicht ganz zusammengefundene Komponenten, welche sich mit weiterer Flaschenlagerung wohl ausgleichen werden. Erstens: die etwas sehnige Blaufränkischstrenge, welche eine Muskel-Säureverbindung in der Adstringenz zeigt. Zweitens: die gut stützenden, aber momentan noch im Körper etwas dominierenden Holznoten. Dabei ist das Korn der Barriques so gewählt, dass der Grundcharakter (damit meine ich das etwas Bourgeoise im Wein) durchwegs erhalten bleibt. Der Nachklang ist aromatisch und das Gesamtbild zeigt einen großen Wein, der aber nicht generell auffallen, sondern in seiner weiteren Entwicklung beeindrucken will. Der Langzeittest über mehrere Stunden zeigt auf, dass sich der Wein an der Luft nur gemächlich verändert. Dabei bleiben die Primäraromen wie eine Eins und der Körper rundet sich nach und nach ab. Ein «Charming-BF-Boy» wird er dabei aber eher nicht werden. Eher wird er seine ganz spezielle Persönlichkeit ziemlich konturenhaft unterstreichen. Diese BF-Latte liegt bei 18 Punkten! Zu vermerken ist noch, dass der Wein 18 Monate in ganz neuen französischen Fässchen lagerte und dass dieser blaue (nicht violette) Fränkisch mit 3 % Merlot angereichert wurde.
Und um welchen Wein handelt es sich hier? Um einen großen Südburgenland-Roten den es nur als Fastphantom, respektive in einer extrem kleinen Menge gibt. Es ist ein Projekt von Reinhold Krutzler und Michael Herget. Bei letzterem Weingeschäftsmann kann man eventuell zu einer Offerte gelangen. Nicht für normale Flaschen. Es gibt ihn nämlich nur in Großformaten…
2012 Blaufränkisch R. Südburgenland, Krutzler & Herget. info@magnumweine.at